<a href="Someday_Soon_Baby.m4a">Hurt</a>

Chicago

Und weil ich überraschend genau vor bereits genehmigten Urlaub dienstlich nach Chicago musste, bin ich gleich noch eine Woche dort geblieben. Und Wolfgang kam nach! Wir haben es also geregelt gekriegt, dass unser Kleintierzoo versorgt wird und Wolfgang sich mit seinem Crohn solange versöhnen konnte.

Bilder

Das Wichtigste zuerst: Bilder! Und zwar mit Musik...



Stadt

Wetter

Kurioses

Leute

Essen und Trinken

Ethnien

Musik

Einkaufen

Einreise

Stadt

Riesig. Vom Flughafen O'Hare bis Downtown sind's 35 Meilen, alles Stadt und auch dann immer noch kein Ende abzusehen.
Innen die Wolkenkratzer, draußen breite Straßen und alte Häuser, wie man sich amerikanische Kleinstädte so vorstellt.
Viele aus Holz, und was haben diese Häuser für dünne Wände in diesem kalten Klima! Im Sommer muss es aber sehr heiß werden, Klimaanlagen gucken aus fast jedem Fenster raus.
Zwischen den Wolkenkratzern ist immer Dämmerung, da kommt kein Sonnenlicht hin, das sieht man nur als Spiegelung ganz oben an den Fenstern. Und der Wind weht, heißt Chicago doch auch "Windy City".
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Wetter

Chicago liegt auf dem 41. Breitengrad. Wie Rom. Aber nun zu glauben, das Wetter sei vergleichbar - weit gefehlt! Als ich am 2. Dezember landete, waren es bei 14°. Dann wurde es über Nacht deutlich kälter. Solche Temperaturwechsel sind normal, sagte man mir, Kontinentalklima. So sind Wolfgang und ich die ersten Tage schon dick eingepackt rumgelaufen, dann hatten wir zwei Tage Schneesturm, Blizzard - richtig heftig, und danach klirrende Kälte unter 0°, aber strahlenden Sonnenschein. Keine Ahnung welche Temperaturen es wirklich waren, haben die doch diese komischen Angaben in °F. Ich habe sie zwar umgerechnet, aber nicht geglaubt, gefühlt habe ich was ganz andres.

Und grade habe ich mal wieder mit den Kollegen dort telefoniert: Die Temperaturen sind um 6° gestiegen seit wir weg sind...
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Kurioses

Stockwerke

Es gibt keine Erdgeschosse. Was wir in Europa als Erdgeschoss bezeichnen, ist der 1st floor. Und der wird in den Fahrstühlen nicht so bezeichnet. Da habe ich bei ersten Mal fast nicht aus dem Hotel rausgefunden, nein, der wird dort mit G oder L bezeichnet. Logischerweise ist dann der zweite Stock der 3rd floor usw.

Kreuzungen

Ampeln sind Fun. Springt eine auf Rot um, schießen die Autos noch halb auf die Kreuzung drauf. Wie sehen die dann eigentlich, wann wieder Grün wird? Und darum gibt es Crossing Guards. Also Amtliche, die auf der Ampel-Kreuzung stehen und aufpassen, dass die Fußgänger nicht von abbiegenden Autos plattgefahren werden. Und das tun sie - die Crossing Guards - laut und energisch.

Maße

Wie kommen die Amis nur damit zurecht?
Abgesehen davon, dass man nie den Endpreis kennt: Münzen sind nicht mit dem Wert sondern dem Namen beschriftet. Also steht Quarter und Dime und so drauf. Und dass die Münze mit dem 5 Cent-Wert größer ist als die mit dem 10 Cent-Wert ... wenn man noch nicht einmal den Namen kennt ...
Und Gewichte und Hohlmaße in Unzen und dann noch lbs - gesprochen "pound" - und Gallons... Und Längen und Entfernungen in miles und feet. Wieso benutzen die eigentlich das gleiche Zeitmaß, abgesehen von der Eigenart mit a. m. und p. m.?
Ich liebe unser metrisches System.

Ich Dussel

Wolfgang kriegte Herzklabastern und ich hin in eine Apotheke, Kalium kaufen. Was heißt das nur auf Englisch? Dabei arbeite ich in einem Unternehmen, das eines der größten Kalium-Produzenten weltweit ist. Als ich dann LEO befragt hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Potassium!

Kontrollwahn

Amerika - das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? - das Land von Freiheit und Abenteuer?
Jeder kommt einfach an Waffen, schließlich hat jeder Amerikaner das in der Verfassung verankerte Recht, sein Leben und Eigentum zu schützen. Daher stehen und gehen jedoch auch überall schwerbewaffnete Aufpasser rum, beim Eingang in Gebäude, öffentliche Verkehrsmittel, Plätze und so weiter.
Überall gibt es Ver- und Gebote: Don't, drink, don't eat, don't smoke, gehe rechts, halte Dich am Geländer fest. Fehlt nur dass es auch noch Schilder mit "Nicht hinfallen" gibt. Alle halten sich dran, und sind auch hervorragend im disziplinierten Schlangestehen geübt, außer Wolfgang kommt keiner auf die Idee, sich vorzuschummeln.
Sich lange auf einem Klo aufhalten, ruft die Security auf den Plan. Oder lange vor einem Fahrplan stehen, um zu verstehen, wie öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden. Wenn die Security dann allerdings feststellt, dass man weder Terrorist noch Amokläufer ist, ist sie sehr hilfsbereit.
Und mir wurde auch das Steuersystem erklärt und wie man zu einer Versicherung kommt - die unbegrenzten Möglichkeiten hat nur der, der mit dem goldenen Löffel geboren wurde.
Bei Bewerbungen um eine Arbeitsstelle jedoch gibt man sein Geburtsdatum nicht an - ob das einer Diskriminierung zuvorkommen soll?
Mit Jugendschutz haben sie es auch: keine inflätigen Ausdrücke, keine privaten Körperteile nackt, kein Alkohol oder Tabak, das wird streng eingehalten und kontrolliert, im öffentlichen Bereich und in den Medien. Parental Advice allüberall.
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Leute

In meinem ganzen Leben habe ich noch nicht so viele dicke und kreischende Menschen erlebt. Laut und auffällig.

Natürlich gibt es auch die anderen, eine lustige Szene bleibt mir in Erinnerung: Am Ausgang eines Supermarktes stehen fünf Kinder, aufgereiht wie die Orgelpfeifen. Davor kniet der Papa und zieht nach und nach Sachen aus einer großen Tasche, "Gloves", "Cap" oder "Muffler", sagt er bei jedem Stück, das er auspackt und vor die Kinder schmeißt, Ausstattung für den eisig kalten Wind draußen, der im Kaufhaus abgelegt würde und verloren ginge, und die Mama steht schmunzelnd davor.

Und die noch anderen: Wir mit der U-Bahn an die Endstation in River North gefahren und wollten dort zum Lake Michigan rüber.
In einem Laden, in dem wir uns bei einem Kaffee aufwärmen wollten, spricht uns der Besitzer an, wo wir denn herkommen und flüstert dann: "You're not safe here.". Das tagsüber bei hellem Sonnenschein!
Er sprach von Gangs und Schießereien und dass wir so schnell wie möglich wieder zur U-Bahn-Station sollten, geht nur auf der linken Seite, die rechte gehört der und der Gang, das so eindringlich, dass ich nicht an Übertreibung glauben kann.
Wolfgang hat kaum noch seinen Kaffee runtergekriegt und wir übten uns in der Technik, unauffällig schnell zu schlendern, tatsächlich, es standen in dunklen Ecken Gruppen junger Männer rum.
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Essen und Trinken

Was soll man trinken? Außer Kaffee? Es gibt Goose Islands als einheimisches Bier, sonst die Importe, belgisch, englisch, etc. Alles gezapfte Bier mit Zitronen-Scheibe, alle Softdrinks mit Eis. Und das Angebot an Softdrinks ist rar. Im Kingston Mines habe ich der Keeperin erklärt wie sie Alsterwasser macht, mit Sprite und Goose Islands, fand sie lustig, war ihr aber nicht so recht geheuer.
Mein erstes Alster habe ich dann auch mit einem Haufen Eis gekriegt, alles wird damit verwässert, brr.
Beer meist 4-5$, Softdrinks 2,50-3,50$.
Sonst gibt's noch Wein und jede Menge Hot Drinks und Cocktails.
Fanta gibt's zwar schon, aber wenig bekannt, obwohl von Coca Cola vertrieben, und Cola light heißt "Diet Coke", auch wenn "Cola light" draufsteht.
Burger gibt es überall, und auch Sandwiches, aber auch jede Menge importierte Küche, asiatisch, europäisch, mexikanisch. Viele Ketten, McDonald's, Subway, Starbuck's. Englische Pubs wie Elephant & Castle.
Frühstück war schwierig, es gibt weder Brötchen noch Brot, Bagels und Donuts schmecken voll künstlich, so habe ich mich dann für Muffins und Wolfgang für Sandwich und Kaffee entschieden.

Hier gab es Frühstück, wie ich es mir amerikanisch vorstelle: Yolk, das in River North, war erfreulicherweise auch ohne Weihnachtsfestbeleuchtung und - musik.
Und hier gute englische Küche: Miller's Pub, das Steak tatsächlich mit Minz-Gelee!
Und dann gab es da noch in der Wabash Street, zwischen Monroe und Madison Street, diesen tollen Laden, in dem man sich für 9,95$ Zutaten und Zubereitungsart aussucht, die dann vor aller Augen gegart wird.
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Ethnien

Es gibt Chinatown, Little Italy, Mannheim, Greektown, Pilsen, Korea City... Aber Red Indian? Fehlanzeige. In der ganzen Stadt haben wir nur einen gesehen, den wir als Indianer erkannt haben und einen habe ich noch auf dem Flughafen gesehen. Auch keinerlei Touristenattraktion dazu oder Kulturhinweise.
Von jeder Einwanderergruppe Stadtteile, Gotteshäuser, Kulturzentren, aber nichts Vergleichbares von Ureinwohnern oder Zwangsimmigranten. Die Schwarzen sind in die amerikanische Welt integriert, sind es die Indianer etwa auch, so dass man sie einfach nicht erkennt?

Hier habe ich dann doch noch Links gefunden zu den Ureinwohnern der Region Chicago Il:
- Indians of The Chicago Region
- American Indian Center of Chicago
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Musik

Chicago - Stadt des Blues und Jazz.
Wir sind hier gewesen: B. L. U. E S., Kingston Mines und Blue Chicago. Gibt aber noch jede Menge andere Bars. Geöffnet ab 8 p. m., Musik geht gegen 9 p. m. los, Eintritt 8 bis 12$, übliche Getränkepreise und Musik live.
Im Kington Mines hervorragendes preiswertes Steak, das der Chef zwischen seinen Schlagzeug-Einsätzen grillt.
Wenig Touristen - sicher wegen der Jahreszeit, dafür mehr amerikanische Nicht-Chicagoer.
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Einkaufen

Das soll mal einer begreifen: Da geht man in ein Starbucks, bestellt zwei Kaffee, einer ist mit 1,95$ ausgezeichnet und man bezahlt dann 4,35$ für zwei. ?!?
Dass alle Preise Nettopreise sind und die Steuer noch draufgerechnet wird, wer kommt denn schon auf sowas?

Und dass die Amis serviceorientiert sind, kann ich auch nicht bestätigen. Da wollten wir Wolfgang eine Jeans kaufen, die gibt es dort in Massen und echt billig: 25$ für eine Markenklamotte, die hier 120€ kostet.
Aber Wolfgangs beständiges Problem: sehr dünn und Größe 28/32. Auf meine Fragen danach gab's nur Antworten: "Haben wir nicht" oder "Da müsst ihr in dem Stapel dort gucken". In jedem Jeansladen in Deutschland bieten die Verkäuferinnen dann nach erfolgloser Suche wenigstens eine Bestellmöglichkeit an.

Ich musste ja viel fragen, nach Kamillentee und Kalium, was das auf der Speisekarte bedeutet und anderen Dingen, bei vielen Verkäufern kamen mir große Zweifel am Vorhandensein menschlicher Intelligenz. Oder spreche ich so unchicagoisch?
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Einreise

Klugerweise hat sich Wolfgang eine lange Liste mit allen seinen Medikamenten, Arzneimitteln und Nahrungsergänzungen von Cortison bis Traubenzucker mitsamt Dosierungs- und Mengenangaben von Arzt und Gesundheitsamt bescheinigen lassen. "So many drugs!". Sonst hätten sie ihn vielleicht nicht reingelassen, die Kontrollen auf Drogen, Lebensmittel und Flüssigkeiten sind streng. In Chicago habe ich eine kleine Beagle-Hündin bei der Arbeit gesehen. An jedem Koffer mit einem Apfel oder Sandwich drin hat sie geklopft und ihre Führerin angeguckt.
Die spinnen, die Amis: Zum Schutz ihrer einheimischen Landwirtschaft darfst Du nichts mitbringen außer Reiseverpflegung. Haben die eine Angst um ihre Märkte...
Und zurück in Frankfurt gab es die Warnhinweise, welche Krankheiten und Seuchen man mit Lebensmitteln aus dem Ausland einschleppt... Retourkutsche dafür?

Auf dem Hinflug war Wolfgangs Flieger sehr leer, so dass er sich ausbreiten und bewegen und es sich bequem machen konnte, auf dem Rückflug im vollen Flieger ging das nicht, nachdem er aber den Stewardessen den Namen seiner Krankheit gezeigt hatte, haben sie ihm einen extra Raum gegeben, in dem er sich hinlegen und ausruhen konnte. Er flog mit American Airlines, auf beiden Flugstrecken war der Name - Crohn's disease - geläufig, scheint in Amiland doch bekannter als hier zu sein.

Und ESTA? Die man angeblich vor der Reise online erledigen soll? Die an der Pass-Kontrolle haben sich fast schlapp gelacht, "Don't know what you're doing with this", im Flieger füllt man das grüne Formular mit den gleichen Fragen aus, das ist das, was sie sehen wollen!
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